Mein Auslandssemester – Studieren an der Bond University

Ich bin seit eineinhalb Wochen zurück in Deutschland und es wird Zeit für ein paar Einblicke in mein Studium an der Bond University an der Gold Coast in Australien. Mein zweites Semester im Ausland war für mich eine ganz besondere Zeit, in der ich so viele neue Leute aus aller Welt kennengelernt habe und ich möchte meine Erfahrung gerne mit euch teilen.

 

Warum habe ich die Bond University gewählt?

Bei der Wahl meiner Auslandssuni kann ich mehrere Wahlen angeben, und bis zuletzt habe ich zwischen der Simon Fraser University in Vancouver, Kanada und der Bond University an der Gold Coast, Australien geschwankt. Was mich im Endeffekt überzeugt hat, war ein Repräsentant der Bond, welcher mich bei der Unipräsentation gefragt hatte, ob ich mich schon entschieden hatte. Wie sich herausgestellt hat, war der gute Mann geborener Kanadier und hat mir kurz und knapp gesagt: wenn ich Winter, eine ähnliche Mentalität und tolle Natur erleben möchte, solle ich nach Vancouver. Wenn ich Sommer, eine ganz andere Mentalität und tolle Natur erleben möchte, solle ich Australien wählen. Ich denke, er hat im Endeffekt den ganz kleinen Stupser in Richtung Australien gegeben – allein schon, weil ich keine -10 Grad wollte – und somit habe ich die Bond auf meine Erstwahl gesetzt. 

Wohnen

Nach meiner Zusage für die Bond habe ich mir einen Überblick über den Wohnraum verschafft. Ihr solltet euch klar sein, ob ihr lieber in einer riesigen Studentenunterkunft, auf dem Campus oder in einem der umliegenden Stadtteile wohnen wollt. Dazu habe ich vor allem bei Flatmates geschaut, wo ich letztlich meine norwegische Mitbewohnerin kennen gelernt habe und wir zusammen auch bei einem Schweizer in Varsity Lakes untergekommen sind.
Ich würde euch rückblickend empfehlen, euch eine Wohnung in Fußnähe zur Uni zu suchen. Zur Auswahl stehen euch in direkter Nähe zur Uni die Varsity Shores (5-6er Wohnung, 5-10 Minuten Fußweg, ältere Wohnung in Privatbesitz, 200-300$ pro Woche) und das Reserve, das Retreat & das Cape (1-3er Wohnung, 5-10 Minuten Fußweg, sehr neue Wohnung, Gym & Pool etc., 300-500$ pro Woche). Außerdem gibt es noch die H2O-Appartements, die Chancellor Appartements und andere.
Meines Empfindens nach war ich mit 200$ definitiv bei den günstigeren Alternativen dabei, also empfehle ich euch, euch darauf einzustellen, mindestens so viel pro Woche zu zahlen. Robina, Varsity Lakes und Miami sind alles ruhigere, sichere Gegenden, die relativ nah an der Universität liegen.

Anbindung

Die Bond ist nur durch zwei Busse angebunden, welche jeweils in einem 20-Minuten bzw. 1-Stunden Takt kommen. Mein Bus kam genau einmal pro Stunde, was einer der Gründe ist, weswegen ich es euch dringend empfehle, in Campus-Nähe zu wohnen. Die Anbindungen an der gesamten Gold Coast sind eine absolute Katastrophe. Und auch wenn ich mich schon oft über die Deutsche Bahn und ihr Streckennetz beschwere, kann ich nun sagen, dass wir uns hier sehr glücklich schätzen dürfen.
Dafür kommt ihr innerhalb von 15 Minuten in die beiden größeren Einkaufszentren an der Gold Coast; das Robina Town Centre inklusive Einkaufsmöglichkeiten wie Coles und Woolworths (quasi Edeka und Rewe) und das Pacific Fair (Zara, H&M, Coles, Woolworths etc).

Nach dem Bau der Bond University ist dort auch eine ganze kleine Stadt entstanden, sodass ihr zahlreiche Möglichkeiten zum Mittagessen habt, wie zum Beispiel Bond Sushi (sehr günstiges, gutes Sushi), Subway, Vietnamesen, Amerikaner und Co.

Kurse

Die Bond bietet Trimester an, welche alle aus 12 Wochen Unterricht und 2 Wochen Prüfungsphase bestehen. Ich musste 4 Kurse belegen und habe mich für folgende entschieden: Leadership & Team Dynamics, Advertising, Brand Image & Cultural Space, Business Statistics und International Business mit jeweils 7,5 ECTS (10 CPs). Jede Vorlesung findet zwei Mal wöchentlich statt, sodass ich 16 Stunden Vorlesung hatte. Wie zuhause sind die Kurse relativ klein und hatten zwischen 20 und 35 Teilnehmern.
Der Aufbau der Kurse ist komplett anders als meine Kurse in Deutschland. Während sie hier meistens aus nur einer Prüfung oder Hausarbeit und Präsentation bestehen, beinhalten die Kurse an der Bond viele Einzelprüfungen. So bestand mein Statistik-Kurs aus 5 Hausaufgaben à je 5%, einem Midterm à 25% und einem Final Exam von 50%. Den Kurs fand ich allerdings leicht und konnte mir einfach eine gute Note sichern.
In International Business zählten Anwesenheit (5%), Teilnahme (5%), einem Midterm über 400 Seiten Buch (20%), einem Final Exam über 800 Seiten Buch (20%), einem Projekt (40%) und wöchentlichen Panel-Diskussionen, bei denen man zufällig drankam (10%). Das Fach ist nicht zu unterschätzen und garantiert nichts für gute Noten. Allerdings habe ich hier auch mit Abstand am meisten (für mich persönlich) gelernt.
In Brand Image durften wir unseren Klienten HiSmile beraten, vielleicht kennt ihr das Unternehmen von Instagram? Sie arbeiten unter anderem mit Kylie & Kendall und Connor McGregor und die Gruppenarbeit war wirklich interessant. Der Kurs ist vor allem praxisorientiert und beschäftigt sich viel mit Trends. Für meine zwei Hausarbeiten musste ich mich intensiv mit zwei Marken auseinandersetzen und habe auch hier viel neues dazugelernt.
In Leadership & Team Dynamics habe ich so unglaublich viel über meine Stärken und Schwächen gelernt. Der Kurs gehört zum CORE-Programm und ist verpflichtend für alle Vollzeit-Bachelor-Studenten, sodass aus allen Fakultäten Studenten anwesend waren. Unser ganzer Kurs hat an einem Strang gezogen und war wirklich dynamisch, ebenso wie international. 

Generell besteht fast jedes Fach aus einer Gruppenarbeit, und rückblickend hätte ich wohl eher versuchen sollen, Fächer ohne diese ganzen Gruppenarbeiten zu wählen. Gerade, wenn viele Nationalitäten mit verschiedenen Ansichten zusammen kommen, wird es manchmal sehr, sehr schwierig, die gleiche Arbeitsmoral zu finden.
Für mich war es auch generell schwierig, die Kurse zusammenzusetzen. Interessante Kurse wurden beispielsweise nur im Herbst- und Wintersemester angeboten und nicht im Frühling. Viele der Vorlesungen, die ich gerne belegt hätte, zusammengestoßen sind und zur gleichen Zeit stattgefunden haben. Falls das bei euch auch der Fall sein sollte, müsst ihr zum Student Centre gehen. Manchmal habt ihr Glück und es wird noch eine zweite Veranstaltung aufgrund Überfüllung des Kurses angeboten! 

Die ‚Study Experience‘

Das, wofür die Bond University in Australien und international so geschätzt und ausgezeichnet wird, ist ihre Study Experience. Und das würde ich auch so unterschreiben, denn ich weiß nicht, wie oft ich Geld gespart habe, weil auf dem Campus kostenloses Essen verteilt wurde. Allein jeden Mittwoch durften wir kostenloses BBQ mit Äpfeln und Bananen genießen. In Woche 2 gab es einen großen Sign-Up-Day, um sich für Aktivitäten wie Volleyball, Badminton, Basketball, Schwimmen und Co. anzumelden.
Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt sind die Parties. Circa 95% der Studenten haben Freitags keine Vorlesungen, sodass Donnerstags in der Campus-Bar immer Mottoparties stattfinden, die von der BUSA (Bond University Student Association) organisiert werden. Außerdem gibt es eine Secret Location Party (150$), sowie Parties von den Studentenvereinigungen der einzelnen Fakultäten Law, Society & Design, Business, Medicine und Architecture, die meistens 10$ Eintritt kosten. Die Parties starten meistens bei Don’s, der Unibar. Danach bietet die Bond kostenlose Shuttles nach Surfer’s Paradise an, wobei ich dort nicht so oft war.

Ausflüge & Orientierungswoche

Bevor es richtig losgeht, veranstaltet die Uni eine Orientierungswoche mit Poolparties, BBQs, Trivia, Campus-Führungen, Ausflug in den Moviepark und das Robina Town Centre sowie Infoveranstaltungen und mehr. Hier lernt ihr schon die ersten Leute kennen und ich würde euch empfehlen, das nicht zu verpassen und pünktlich anzureisen! Außerdem werden immer wieder kostenpflichtige Trips angeboten, zB. nach Neuseeland, Sydney, Byron Bay und so weiter. Direkt auf dem Campus findet ihr auch ein Büro von Student Flights, die euch gerne bei der Organisation eurer Reisen helfen. Wir haben unsere Trips aber im Endeffekt alle selber geplant und meistens nur Infomaterial von dort mitgenommen – im Endeffekt wollen sie dir doch nur alle möglichen teuren Aktivitäten verkaufen, die euer Budget mindern.

Das Campus-Gelände

Mit meinem Heimatunistandort mit knapp 800 Studenten war durchweg beeindruckt von der Größe des Campus. An der Bond studieren etwas weniger als 6.000 Studenten und der ganze Campus ist riesengroß. Allein meine Kurse haben in 3 verschiedenen Gebäuden stattgefunden. Es gibt ein neues, extrem modernes Fitnessstudio mit Olympia-Schwimmbecken, welche angeblich auch regelmäßig von den Olympiaspielern genutzt werden. Es gibt Tennis-Felder, einen Beach-Volleyball-Platz, Rugby- und Squash-Felder sowie eine Sporthalle. Die Universität hat zwei Cafés, eine Bar, eine Cafeteria, einen Mini-Superladen und ein Restaurant – sogar Mikrowellen und zwei Bibliotheken. Ich glaube, man muss die Uni eigentlich gar nicht mehr verlassen, weil vor Ort alles gegeben ist.

Fazit

Ich erinner mich an eine der Bewertungen eines ehemaligen Studenten, der vor mir an der Bond war. Er beschrieben die Bond in 3 Wörtern als „study hard life“, und ich habe es nicht ernst genommen. Ups, kleiner Fehler. Ich denke, dass der Aufwand während des Semesters wesentlich höher als an meiner Uni ist, das akademische Niveau aber eher niedriger. Die Dozenten helfen den Studenten sehr gerne mit ihren Arbeiten und ich hatte das Gefühl, „an die Hand“ genommen zu werden und da schätze ich schon den größeren Wert von Selbstständigkeit an meiner Heimatuni.
Allerdings machen die Möglichkeiten, sich weiterzubilden, Sport zu machen und Feiern zu gehen die Universität zu etwas besonderem und somit zu einer ganz neuen, anderen Erfahrung als hier. Allerdings wäre es sehr viel besser gewesen, wenn meine Noten im Ausland NICHT gezählt hätten. Dann hätte ich auch die ganzen Sachen mal ein wenig auf die leichtere Schulter nehmen können. Sollte das bei euch der Fall sein, kann ich euch die Uni ohne Einschränkung empfehlen ;-)

Auch, wenn die Bond University für euch nicht infrage kommen sollte, ihr aber trotzdem überlegt, ins Ausland zu gehen: TUT ES.
Ich bin so unendlich froh, dass ich mich ein zweites Auslandssemester entschieden habe und mit Australien am Ende alles geklappt hat. Es ist IMMER eine wundervolle Erfahrung und persönliche Bereicherung, eine neue Kultur kennenzulernen und so viele weltoffene, freundliche Menschen zu treffen, die die gleiche Entscheidung wie man selbst getroffen haben. 

VINE & LACE

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